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Montag, 30. Juni 2008Hier arbeitet der Chef noch selbst
Auf der Suche nach einem Pressekontakt zur Billig-Autovermietung Interrent durchforste ich vergeblich die Internetseite. Google gibt auch nichts her. Irgendwo stöbere ich die Information auf, dass Interrent zu Europcar gehört. Also dort angerufen. Die Dame in der Europcar-Pressestelle sagt, Interrent habe keine Pressestelle. Wegen schlanker Verwaltung und so. Sie gebe die Anfrage aber gern weiter. „An wen denn“, will ich wissen, „wenn es doch keine Pressestelle gibt?“ – „An den Geschäftsführer“, ist die Antwort. Vorbildlich: Hier arbeitet der Chef noch selbst! (sp)
Freitag, 27. Juni 2008Warnung vor Tages- und Festgeld
In einem Interview mit der FAZ sagt Markus Stahl von der Vermögensverwaltung Steinhart und Stahl aus Stuttgart: „Wir raten davon ab, sich jetzt in Ecken zu begeben, die nur eine vermeintliche Sicherheit verleihen. Festgelder und Tagesgelder liegen auf der Bankbilanz. Angesichts der Schwäche des Bankensystems sollte man nicht sein gesamtes Geld dort hingeben“.
Donnerstag, 26. Juni 2008Die gute alte sichere Rente
Ein Blick in die Google-Statistik der Suchbegriffe ist immer wieder erfrischend und erheiternd.
Dass Pakistan, Vietnam und Ägypten beim Begriff „Sex“ auf dem Siegertreppchen stehen, ist ja schon Allgemeingut. Wundern darf man sich darüber, dass „Ballack“ nach Deutschland am häufigsten in Peru und Indonesien gesucht wird - und in Deutschland vor allem in Ulm und Mannheim. (Dass Ronaldo zehnmal so häufig gesucht wird, darüber darf sich Cristiano R. freuen, wenn er am Sonntag das EM-Endspiel im Fernsehen anschaut.) Und wie ist es bei Finanzbegriffen? Nehmen wir das Beispiel "Altersvorsorge". Das große Thema dieser Jahre. Jeder muss was tun, und dazu muss man informiert sein, und dazu wiederum nutzt man das Internet. Und was suchen die Leute, wenn es um ihre Altersvorsorge geht? Nicht „Altersvorsorge“, sondern „Rente“! Die gute alte sichere Rente - die womöglich kaum einer von denen, die jetzt danach suchen, noch erhalten wird. (wh) Mittwoch, 25. Juni 2008Oma surft nicht
Seit gestern liegt der neue (N)Onliner-Atlas 2008 vor, die größte repräsentative Umfrage zur Internetnutzung in Deutschland. Die wichtigsten Ergebnisse – Nutzung nach Alter, Geschlecht und Bundesland – findet man hier zusammengefasst. Die größte Gruppe der Nicht-Nutzer sind arme alte Frauen.
Dienstag, 24. Juni 2008Es lebe die Agentur!
Wenn eine Behörde modern wirken will, nennt sie sich Agentur. Man denke an Herrn Gerster, der einst aus der „Bundesanstalt für Arbeit“ die fidele „Bundesagentur für Arbeit“ gemacht hat. Wir erinnern uns: Danach gab es auf einen Schlag viel weniger Arbeitslose.
Ein weiterer großer Schritt hin zu staatlicher Coolness ist die „Deutsche Finanzagentur“. Ab 1. Juli ködert sie Anleger mit einer Tagesgeldanleihe, die mit 3,7 Prozent p.a. verzinst wird. Und schon jetzt sei der Justizminister gepriesen, der dereinst aus der „Justizvollzugsanstalt“ die „Justizvollzugsagentur“ machen wird. Mitglied - „Insasse“ wäre wirklich unpassend! - einer solchen Agentur gewesen zu sein, muss man sich dann nicht mehr schämen ... Montag, 23. Juni 2008Verkneifen Sie sich’s!
Wir haben's ja geahnt: Die Sparwut der Fluglinien macht auch vor unseren privatesten Geschäften nicht Halt. Kerosinzuschläge, Gepäckgebühren, kostenpflichtiger Bordservice – das alles ist zu verkraften. Die Fluggesellschaft China Southern aber fordert ihre Passagiere seit einiger Zeit auf, sich doch bitte vor dem Flugantritt zu erleichtern. Das reduziert zum einen die fliegende Masse, zum anderen verbraucht eine WC-Spülung im Flugzeug einen Liter Kerosin zusätzlich. Wenn das Schule macht ... Darüber nachzudenken – verkneife ich mir. (sp)
Freitag, 20. Juni 2008Postfach Geometrie
Ich möchte etwas zu einem Online-Shop zurückschicken. Es war nicht teuer, ich hoffe auf einen günstigen Versand. Mit der Originalverpackung stehe ich bei der Post. „Das geht nicht als Päckchen“, ist die Auskunft am Schalter. „Wieso nicht?“ Weil die Sendung weder quader- noch rollenförmig sei.
Wenn ich in meinen Geometriekenntnissen aus Schulzeiten krame, muss ich zugeben: Das stimmt. Was ich da in der Hand halte, basiert auf einem Trapez. Sowas kann man per Post aber nur als Paket verschicken, für 6,90 Euro. Ich gehe zwei Straßen weiter zum Getränkemarkt, der eine DPD-Annahmestelle beherbergt. Der Trapezversand ist hier ohne weiteres möglich und kostet nur 3,80 Euro. Und die Inhaberin des Marktes kennt das Postfach Geometrie. Als ich erzähle, dass ich die Sendung bei der Post nicht als Päckchen aufgeben durfte, sagt sie nur wissend: „Wegen der Form, stimmt's!?“ (sp) Donnerstag, 19. Juni 2008Riester-Zwang
Derzeit hat knapp jeder dritte gesetzlich Rentenversicherte zusätzlich eine Riester-Rente abgeschlossen. Wegen der zunehmenden Altersarmut fordern Experten aus allen Lagern, wie etwa Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, jetzt eine Pflicht zum "Riestern". Sinn will damit gegen Trittbrettfahrer vorgehen, die allein auf staatliche Leistung setzen.
Da fragen wir uns, ob nicht jeder besser selbst entscheiden sollte, welcher Weg der privaten Vorsorge oder welche Rentenversicherung für ihn das Beste ist. (msch) Mittwoch, 18. Juni 2008Die gute Fee von DHL
Was böse Feen anrichten können, wissen wir aus „Dornröschen“. Auch die Taten böser Menschen sind uns wohlbekannt, denn diese Zeitgenossen handeln stets nach dem Motto „Tue Böses und lade die Presse dazu ein“.
Dem Paketversender DHL ist nun die Kombination von fiktivem Guten (Feen) und echtem Bösen (Terroristen) gelungen: Er weist auf seinen Rechnungen für Geschäftskunden eine „Anti-Terror Fee“ aus (siehe Bild). Diese Dame kostet nur 2,90 Euro. Allerdings war sie in der Lieferung nirgends zu finden. Wir vermuten, dass es sich um eine unsichtbare Fee handelt, die ihr gutes Werk im Verborgenen ausübt. Das sollte uns 2,90 Euro wert sein. (wh)
Dienstag, 17. Juni 2008EM-Geldanlagen im Abseits
Die Katastrophe ist ausgefallen. Cordoba (1978) hat sich nicht wiederholt, Königgrätz (1866) aber auch nicht. Das 1:0 gegen Österreich reicht fürs Weiterkommen, den Rest sollte man schnell vergessen.
Vergessen kann man auch die EM-Angebote von Banken und Finanzdienstleistern. Für die interessiert sich nämlich niemand, wie eine repräsentative Umftrage der Norisbank ergab: „Lediglich ein Fünftel der Befragten (20 Prozent) findet es gut, dass Finanzprodukte mit dem Erfolg der deutschen Nationalelf verknüpft werden. Weniger als ein Prozent hat wegen EM-Produkten die Bank gewechselt.“ So irrational viele sich in Gelddingen oft verhalten, so klar haben sie in diesem Fall die heiße EM-Marketing-Luft als eben solche erkannt. (wh) Dienstag, 17. Juni 2008Falscher Verbraucherschutz
Während die Ministerpräsidenten der Länder die Online-Expansion der gebührenüberfütterten öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF zu Recht einbremsen wollen (sendungsbezogen, nur bis zu sieben Tage nach der Sendung abrufbar), mäkelt der oberste Verbraucherschützer der Republik, Gerd Billen, dass man „Verbrauchern das vorenthalte, wofür sie schon gezahlt hätten“.
Der gute Mann – immerhin Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, übrigens auch staatlich finanziert - sollte sich mal mit den Inhalten des Rundfunkstaatsvertrages und den Aufgaben der öffentlich-rechtlich Alimentierten befassen. Dass sie zum massiven Wettbewerb auf frei finanzierte Print- und Onlinemedien blasen, ist dort zumindest nicht zu lesen. Vielleicht hält man ja bei den Berliner Verbraucherschützern nicht so viel von Meinungsvielfalt in den Medien. Denn die, folgt man Billens Denkweise, ist dann in Gefahr. (mp) Montag, 16. Juni 2008Churchill und Led Zeppelin
Die Times aus London, einst der Inbegriff der Tageszeitung, wuchert mit den Qualitätspfunden von früher nun im Internet. In ihrem neuen und bisher kostenlos zugänglichen Archiv kann man alle Artikel zwischen 1785 und 1985 lesen!
Dass die Times-Verantwortlichen von heute weit davon entfernt sind zu begreifen, was die Grundlage einer guten Zeitung ist, zeigt die Auswahl besonderer Ereignisse, die als Appetitmacher auf der Startseite des Achivs aufgeführt sind: In einer Reihe mit der Enthauptung Marie Antoinettes 1783, der Schlacht von Waterloo 1815 und Churchills Dünkirchen-Rede von 1940 steht da mit der Jahreszahl 1973 ein Ereignis, das die Welt für immer verändert hat: „Led Zeppelin 20-minute drum solo“. (wh) Montag, 16. Juni 2008Kreditkartenwechsel mal anders
Gerade kam meine neue Miles-and-More-Kreditkarte ins Haus, obwohl meine bisherige Karte doch noch bis 2010 gelten sollte. Ich entnehme dem beiliegenden Schreiben, dass es sich um eine „neue Generation“ dieser Karte handelt. Das rechtfertigt natürlich einiges.
Und dass ich mit dem ersten Einsatz des Plastikgeldes nicht nur den neuen Vertragspartner – statt imagebeschädigter Bayern-LB nun DKB – akzeptiere, sondern auch ganz elegant von Visa zu Mastercard wechsle. Da mir das doch ein bisschen zu beiläufig daherkommt, werde ich wohl doch das beiliegende 16seitige Bedingungswerk studieren. (mp) Freitag, 13. Juni 2008Finanzbeamte auf Abwegen
In ihrer schönen Interview-Serie „Reden wir über Geld“ hat die Süddeutsche Zeitung jetzt mit Franz Konz geredet, dem Autor der „1000 ganz legalen Steuertricks“.
Der antwortet auf die Frage, ob er seine Steuer-Ratgeber noch selbst schreibe: „Die Wahrheit ist, dass ich seit Jahren für die 1000 ganz legalen Steuertricks höchstens noch das Vorwort aktualisiere. In Wirklichkeit wird dieses Buch inzwischen von Beamten aus der Finanzverwaltung geschrieben. Gewiefte Finanzbeamte haben das seit Jahren in der Hand. Sie aktualisieren das Buch und ergänzen es mit neuen Steuertricks.“ Das ganze Interview können Sie hier lesen ... Freitag, 13. Juni 2008Besitz bringt nichts
Die Comdirekt-Bank hat eine Studie erstellen lassen, die unter dem Namen „Kundenmotive 2008“ die Einstellung der Deutschen zu Freiheit und Sicherheit untersucht hat. Neben den üblichen Binsenweisheiten, mit denen solche Studien sich schmücken („Jede Generation entwickelt sich unter dem Eindruck politischer und kultureller Ereignisse“), gibt es auch handfesten Unsinn. So heißt es: „Besitz macht selbstsicher. Besitz – etwa in Form eines Grundstücks oder Eigenheims – vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Damit kann man machen, was man will.“
Eben nicht! Mit Besitz kann man nicht machen, was man will, denn das, was man nur besitzt, gehört anderen. Nämlich den Eigentümern. Nur diese können z.B. eine Hypothek auf ein Grundstück aufnehmen und mit dem dadurch verfügbaren Geld wirtschaften. Wenn in der Studie einer Bank, deren Geschäft nur auf der Grundlage von Eigentum möglich ist, der Bedeutungsunterschied von „Besitz“ und „Eigentum“ nicht mehr bekannt ist, kann einem Angst und Bange werden. Denn das „Wunder Europa“, also der Griff Europas nach der Welt und seine enorme Entwicklung seit Ende des 15. Jahrhunderts, war nur auf Grundlage der Eigentumsstruktur möglich. Und alle Kulturen, die ohne festen Eigentumsbegriff sind, haben riesige Entwicklungsschwierigkeiten, denn Fleiß und Können bringen nichts, wenn sie nicht an Eigentum gekoppelt sind. (wh)
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